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Diese Portraits hat Albrecht Tübke in den Straßen Italiens aufgenommen. Italien ist ein Land in dem Mode im täglichen Leben eine große Rolle spielt. Es scheint unglaublich wichtig zu sein, eine Prada-Tasche zu besitzen, eine RayBan-Sonnenbrille oder Jeans von Armani. So gekleidet geht es dann zum Einkaufen in den Supermarkt oder mit den Kindern auf den Spielplatz. Chirurgische Schönheitskorrekturen sind lang akzeptierter Standart und selbstverständlich. Dabei kommt es nicht mehr darauf an, den „Eingriff“ zu vertuschen –es scheint fast, als sei man stolz darauf, ihn sich leisten gekonnt zu haben. Und älter werden ist schmerzhaft. In Tübkes Portraits ist die Individualität des Einzelnen sichtbar und der starke Einfluss der Modewelt auf die äußere Erscheinung. Es reizte Tübke, die Wechselwirkung aus Beidem fotografisch sichtbar zu machen in ihrer Gegensätzlichkeit und in ihrer Einheit. So sind Portraits entstanden vorwiegend von italienischen Frauen aller Altersgruppen und aus verschiedenen sozialen und gesellschaftlichen Schichten. Mit einem homogenen Abbildungsmaßstab bei den Aufnahmen wird Tübke einem dokumentarischen Anspruch an Fotografie gerecht und es gelingt ihm, ein Gesamtbild des psychologischen Befindens zu beschreiben zwischen Stolz und Unsicherheit –zwischen exhibitionistischer Selbstdarstellung und Authentizität.

Peter Schmidt, Berlin