Seascapes Text

Im Wasser sind wir alle gleich! – Albrecht Tübke’s „Seascapes“

Der Mensch liebt das Meer – und er braucht es! Wasser ist essenzielles Element des Lebens, wir kommen aus ihm und es ist ständig um uns. Irgendwie fühlen wir uns geborgen am Wasser. Wir schauen den Meereshorizont an und eine wohltuende Ruhe überkommt uns. Die Badenden spüren die Bewegungen des Wassers – seichte Bewegungen in einem gewissen Rhythmus, oder die wuchtige Kraft großer Wellenberge. – Faszinierend! Wir geben uns diesen Bewegungen hin und werden eins mit ihnen. Oder wir sehen es als Spiel, wir werfen uns mit aller Kraft in die sich vor uns auftürmenden Wellen, wir genießen, was das Meer mit uns macht. Es ist eine Art von aktiver Kommunikation mit der Natur. Wir brauchen diesen Dialog und haben ihn viel zu selten. Moderne Zivilisationen haben uns leise und heimlich von der Natur und unseren eigenen ursprünglichen Bedürfnissen isoliert, ohne dass wir uns dessen bewusst geworden sind.

Im Wasser sind wir alle gleich! Für einen Moment sind wir von allen Stellungen und Rängen in der Gesellschaft enthoben. Fast nackt tümmeln wir uns alle zusammen im Wasser – Was für ein Genuss! Für eine Weile fallen die Sorgen und Anstrengungen des Lebens von uns ab, das Meer ist stärker als die ständig um uns kreisenden Gedanken.

Die Bilder von Albrecht Tübke sind erfrischend und kraftvoll aber keinesfalls simpel. Sie sind eine sorgfältige Selektion von nur wenigen Bildern aus einer Vielzahl von Aufnahmen. Bei dieser Art der Fotografie lässt sich das Ergebnis nur schwer vorhersehen oder konstruieren. – Eine Arbeitsweise, die bei Tübke eher selten vorkommt. Eine gewisse Zufälligkeit existiert aber nur scheinbar in den Bildern. Die Kompositionen sind auf den Punkt gebracht. Tübke hat bei seiner Auswahl wie immer harte und strenge Kriterien angewendet und nur eine kleine Anzahl von Fotografien hat es bis in die finale Werkgruppe geschafft. Die „Seascapes“ berühren und sind kraftvoll, sie sind tief und dürfen auch schön sein.

Peter Schmidt, freier Kurator, Berlin 2015